Geschichten aus der verbotenen Stadt

Der Kaiser, der die Grillen liebte

25.07.2005, Peking: Die Chinesen lieb(t)en Grillen. So hielten sich schon die Konkubinen der Tang-Dynastie Grillen in Käfigen aus Goldfäden, die sie sich nachts neben ihr Kopfkissen legten und dann dem Grillengesang lauschten.
Auch der Kaiser Zhu Zhanji liebte Grillen. So sehr, dass er ein spezielles Grillenedikt erließ. Dieses besagte, dass die Bevölkerung Grillen als Tribut an ihn zu entrichten hatte. Danach begann im ganzen Land die Jagd nach Grillen. Und je mehr gefangen wurden, umso seltener wurden die Insekten - und umso wertvoller. So erzählt eine Geschichte von einem Mann, der sein Pferd gegen eine Grille eingetauscht hatte, um diese dem Kaiser als Tribut zu zahlen. Diese wertvolle Grille hielt er nun in einem Topf gefangen. Nun hatte seine Ehefrau aber noch nie in ihrem Leben eine Grille im Wert eines Pferds gesehen. Deshalb lüftete sie in Abwesenheit ihres Mannes den Deckel einen Spalt, um das wertvolle Tier bewundern zu können. Leider reichte dieser Spalt aus und die Grille entwich. Tragischerweise wurde sie dann auch noch direkt von einem Hahn gefressen. Nun sah sich die Frau nicht in der Lage, ihrem Mann die Sache zu erklären und beging stattdessen Selbstmord. Als nun der unwissende Ehemann nach Hause kam und seine tote Frau und den leeren Topf erblickte, wollte auch er nicht mehr leben und beging ebenfalls Selbstmord.
Aber nicht für alle Menschen bedeuteten die Grillen ein so tragisches Ende. Manche wurden auch besonders reich, weil sie sich als besonders geschickte Fänger erwiesen.

Die Legende der Ecktürme

Zwischen 1403 und 1423 wurden an jeder Ecke der verbotenen Stadt diese Ecktürme erbaut. Doch zuvor galt es diese innerhalb von neun Tagen zu entwerfen. Doch auch am neunten Morgen war immer noch keine passende Idee entwickelt. Stattdessen saßen die Baumeister in einem Teehaus und hofften auf irgendeine Eingabe. Währenddessen tauchte ein Greis auf, der Laubheuschrecken in Käfigen verkaufte (die damals hoch im Kurs standen). Als er den Baumeistern welche zum Kauf anbot, reagierten diese recht gereizt und erwiderten, dass sie z.Zt. um ihre Köpfe bangten und keine Zeit für Laubheuschrecken hätten. Doch der Greis ließ nicht locker und wies auf die besondere Bauweise der Käfige hin. Ein Baumeister fand tatsächlich Gefallen an einem und kaufte ihn. Und als die Männer nun um den Käfig saßen, fiel ihnen die außergewöhnliche Konstruktion auf. Und weil sie ihnen als besonders passend erschien, übertrugen sie die besondern Merkmale auf die Ecktürme.
So kam es, dass die Baumeister diesmal ihre Köpfe behielten und der Kaiser Zhu Zhanji die Ecktürme nach ihren Entwürfen bauen ließ. Und der wundersame Greis, der die Baumeister gerettet hatte, war der Sage nach Lu Ban, der unsterbliche Meister der Tischler und Zimmerleute.

Verschlungene Liebe

Der Garten (Yùhuan Yuàn) der verbotenen Stadt mit einem der sagenumwobenen Baumpaare
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Etwa zwischen 475-221 v. Chr. lebte der König Kang. Leider begab es sich nun, dass dieser die Frau von Han Ping begehrte, der mit der Erbauung der Qing-ling-Terassen beauftragt war. Nun mußte ein Weg gefunden werden, Han Ping zu beseitigen, damit der neuen Eheschließlung zwischen seiner Witwe und dem König nichts mehr im Wege stand. So geschah es, dass der arme Mann nach Fertigstellung der Terassen umgebracht wurde.
Die einzige Bedingung, die nun die Witwe an den König stellen konnte, war, dass ihr geliebter Mann ein reiches Begräbnis erhielt. Diesem stimmte der König zu. Drei Tage später wurde die Beerdigung abgehalten. Doch noch während der Zeremonie sprang die totunglückliche Witwe zu ihrem Mann ins Grab und verstarb ebenfalls.
Aus lauter Rührung ließ der König nun die beiden Liebenden nebeneinander begraben. Und im nächsten Jahr wuchsen an dieser Stelle zwei in sich verschlungene Bäume, die als Zeichen der treuen Liebe (der Frau?) gedeutet wurden.
Solch verschlungene Bäume wurden auch im Kaisergarten gezüchtet. Und seitdem dieser der Öffentlichkeit zugänglich ist, lassen sich täglich unzählige Paare vor einem dieser Baumpaare fotografieren - im Versprechen gegenseitiger (?) Treue.

Mord im Namen der Macht

In diesen Brunnen wurde Zhenfei, die geliebte Konkubine des Kaisers Guangxu, geworfen. Sie stand in besonderer Missgunst der Kaiserinmutter Cixi, da sie den Kaiser in seinen Reformvorhaben unterstützte. Im August 1900 stießen die acht Mächte nach Beijing vor, so dass der Kaiser mit der Kaiserinmutter nach Xi'an fliehen mußte. Aber vorher trug Cixi noch dafür Sorge, dass Zhenfei vom Eunuchen Cui Yugui in diesen Brunnen geworfen wurde. Denn wäre Zhenfei besudelt worden (oder neudeutsch: vergewaltigt worden), hätte das dem Ansehen der Kaiserlichen Familie geschadet. Und statt Zhenfei vor den Angreifern zu retten und sie mit nach Xi'an zu nehmen, konnte Cixi so ohne große Aufregung ihre politische Gegnerin ausschalten.

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